100 Jahre Schützenverein Bargteheide




Der Tag ist notiert, für alle Zeiten und deshalb unvergesslich: Es war ein Samstag, vor exakt 100 Jahren, am 16. Mai 1908, da setzten sich einige Männer in Bargteheide zusammen und beschlossen, einen Verein zu gründen: August Henning, Heinrich Meiners, Jochen Düssler, Otto Schmidt, Willy Schlüter, Otto Schulze, Carl Pfeffer und August Stahmer waren die tatkräftigen Herren, die zwischen Jahrhundertwende und Erstem Weltkrieg den Schützenverein Bargteheide ins Leben riefen.

Dass sie damit etwas in Gang brachten, was 100 Jahre später immer noch eine tragende Säule des Gemeinwesens ist, so viel Weitsicht konnte man wahrlich nicht von ihnen verlangen. Dass sie trotzdem sehr vorausschauend handelten, beweist allerdings die Tatsache, dem Namen den Zusatz "und Umgegend" zu geben. Es ist noch heute Philosophie dieser Bargteheide Einrichtung, auch die Menschen aus der Nachbarschaft, aus den umliegenden Orten, mit einzubinden. Viele jugendliche und erwachsene Mitglieder kommen daher auch aus Orten wie Hammoor, Jersbek oder Delingsdorf.

Eines der Gründungsmitglieder, August Henning, wurde bis 1910 Vorsitzender und dann zwischen 1923 und 1938 noch einmal. Unter seiner Leitung begann man sofort nach der Gründung mit dem Bau der ersten Schießstände, so dass noch im selben Jahr, im Herbst 1908, das erste Schützenfest gefeiert werden konnte. Und das offenbar ausgiebig: Nach vorliegenden Aufzeichnungen nahm man sich dafür richtig viel Zeit. Es soll am 13., 15., 18. und 20. September stattgefunden haben.

Und das die Schützen gut wirtschaften konnten, dafür wurde auch bereits vor 100 Jahren der Grundstein gelegt: Das Fest erbrachte einen Überschuss von 400 Reichsmark. Danach wurde mit dem Bau einer Schießhalle begonnen, die Kosten deckte man durch Anteilsscheine von zehn Reichsmark. Schon zwei Jahre nach der Gründung ging die Schießbahn in den Besitz des Vereins über.

Am 1. Januar 1910 begann die Mitgliedschaft im Deutschen Schützenbund, und ab 1911 – sicher ein Meilenstein für die damaligen stolzen Bargteheider Schützen – erkannte man sie überall an ihren Uniformen; heute sagt man lieber "Tracht". Ein weiteres wichtiges Datum aus der Anfangsphase des Vereinsgeschehens war der 13. März 1912: Da trat der Verein dem Stormarnschen Schützenverband bei. Vorsitzender war zu diesem Zeitpunkt Carl Heitmann.

Rund 13 Jahre leitete er die Geschicke – in einer teilweise sehr schwierigen Zeit. Ohnehin spricht es für die Bargteheider Schützen, dass sie eine bemerkenswerte Kontinuität in ihren Führungsgremien aufweisen. Das ist sicher auch eines der Geheimnisse, warum es in diesem Verein immer "gestimmt" hat. In den 100 Jahren des Bestehens ist mit Rolf-Peter Fröhlich erst der neunte Vorsitzende im Amt. Das der Schützenverein ganze Familien in mehreren Generationen an sich gebunden hat, mag ein weiteres Indiz dafür sein. Genannt werden darf in diesem Zusammenhang sicher die Familie Tiedt, wo Großvater, Sohn und Enkel gleichzeitig die Schützentracht trugen ...

Zurück zu den Anfängen: Gut Kameradschaft, Sportsgeist und Geselligkeit haben von Beginn an für ein positives Image der Bargteheider Schützen gesorgt. Kein Wunder, dass die Mitgliederzahl rasch stieg. Vor allem um die Jugend bemühte man sich (das ist noch heute ein Leitmotiv der Vereinsarbeit), und so konnte bereits 1929 eine Jungschützenabteilung ins Leben gerufen werden. Das erste große Fest, das dann auch überregional beachtet wurde, fand 1933 statt: man feierte das 25jährige Bestehen. Es gibt eine Fülle von historischen Fotos, die der Betrachter heute vielleicht hier und da mit Schmunzeln, insgesamt aber mit Anerkennung und Respekt ansieht. Was wurde damals alles aufgeboten! Vor allem der Festumzug mit Kutschen, Reitern, Festwagen, Herolden, Schützenliesel und vielen anderen Akteuren muss ein eindrucksvolles und farbenprächtiges Bild abgegeben haben. Und waren das noch Zeiten, wo wirklich ausnahmslos jedes Haus bunten Flaggenschmuck zeigte.

Von dieser – auch nach außen dargestellten – Identifikation der Bürgerschaft mit dem Verein mögen heute manche träumen. Doch es war eben eine andere Zeit. Über 300 Mitglieder 100 Jahre nach der Gründung beweisen, wie solide der Schützenverein noch immer in Bargteheide verankert ist.

Und dass trotz einer mehrjährigen und unfreiwilligen Zwangspause in der auch die Mitglieder des Schützenvereins ganz andere Sorgen hatten, um Tradition zu pflegen und dem Hobby nachzukommen. Erst fünf Jahre nach Kriegsende besannen sich einige Männer darauf, das fortzusetzen, was sie zuvor lange in ihrer Freizeit beschäftigt hatte. Heinrich Krogmann, der bereits 1939 Vorsitzender geworden war, setzte sich mit F. Scheel, R. Denckert, W. Jütting, H. Scheel, E. Meiners, F. Kretzschmar und B. Thode zusammen, um die auf den 19. Mai 1950 datierte neue Satzung zu unterzeichnen, um damit den rechtlichen Rahmen für ein erfolgreiches weiteres Vereinsleben zu schaffen. Darin hieß es u.a.: "Mitglied kann nur werden, wer das 21. Lebensjahr vollendet hat und an dessen Ehre kein Makel haftet. Der Beitrag beträgt eine Mark monatlich."

Das hört sich zwar streng an, musste aber nach den schwierigen Zeiten zuvor wohl sein. Aber es wirkte sich auf aktives und zudem auch fröhliches Vereinsleben nicht nachteilig aus – wurde doch für das Schützenfest Anfang August 1950 überall auf im Ort ausgehängten Plakaten mit Begriffen wie "Volksbelustigungen aller Art" geworben. Das bedeutet in der Praxis: öffentliches Preisschießen, Tanz im Festzelt, Kinder-Festumzug und Feuerwerk in "noch nie da gewesener Pracht".

Nun, auch das ist schon 50 Jahre her. Vieles hat sich in den folgenden Jahren verändert. Festhalten an schöner Tradition, aber auch – trotz mancher Widerstände Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber prägt das Denken und Handeln der Verantwortlichen noch heute. Wenn die Vereinsmitglieder in diesem Jubiläumsjahr für die Zukunft planen, denken sie auch immer wieder an die Vergangenheit. Sie ist schließlich die Grundlage für eine erfolgreiche Vereinsarbeit.

Markante Ereignisse in der zweiten Hälfte des 100jährigen Bestehens waren u.a.:

Der Wiederaufbau des Schießstandes noch in den 50er Jahren gilt als Meilenstein in der Geschichte nach dem Kriege. Bemerkenswert war auch die hohe Ehrung für den Uhrmachermeister Herbert Scheel, der 1956 für seinen Einsatz "zum Wohl des Schützenvereins" als erster im Kreis Stormarn die Goldene Ehrennadel des Deutschen Schützenverbandes verliehen bekam. Unvergessen und kurios im Vereinsgeschehen ist auch das Jahr 1963, als der beste Schütze nicht König werden konnte: Albert Möller aus Mollhagen hatte als einziger 39 Ringe erzielt. Er war nicht nur Mitglied der Bargteheider Schützen, sondern gehörte auch seinem "Stammverein" in Sprenge an, wo er schon zwei mal die Königswürde errungen hatte. Deshalb kam Friedo Rudat mit 38 Ringen zu Majestätsehren ...

Einen so genannten "Tag der Jugendlichen" veranstaltete man im Jahre 1967. Er sollte junge Menschen ab dem zwölften Lebensjahr ansprechen. Weitere Verbesserungen der gesamten Schießanlage und natürlich das Feiern der Schützenfeste, des jährlichen Vereinshöhepunktes, sind natürlich festgehalten.

Rot angestrichen in der Chronik ist das Jahr 1969 – vielleicht als "kleine Revolution": Im Verein gab es zunehmend Diskussionen über die Gründung einer Damen-Mannschaft. Tatsache war, dass Frauen und Freundinnen der Schützen schon lange und immer mehr Anteil nahmen am Hobby ihrer Männer. Die Zeit war einfach reif, hier neu zu denken. Und die Mehrheit setzte sich schließlich durch. Befürworter hatten von einer "Bereicherung des Vereinslebens" gesprochen. Auch über diese Formulierung lächeln wir heute. Doch Tatsache ist: Der Schützenverein Bargteheide hat sich dadurch erheblich positiv weiter entwickelt. Im selben Jahr fand auch erstmals das so genannte Betriebsschießen statt, an dem sich über 60 Unternehmen aus Bargteheide und der Umgebung beteiligten. Der Erlös von 1.126 Mark wurde der "Aktion Sorgenkind" zu Verfügung gestellt. Eine weitere Neuerung, die in der Öffentlichkeit sehr beachtet wurde und inzwischen auf ein lange Tradition verweisen kann, ist das Ausschießen eines Bürgerkönigs seit 1970: Hier können sich Personen bewerben, die keinem Schützenverein angehören. Der erste König war gleich eine Königin – nämlich die damalige Bargteheider Pastorin Renate Lindemann.

1973 kündigte Emil Iden, der langjährige Schützenwirt, den Vertrag zur Bewirtung in der Schützenhalle und der Jersbeker Chaussee und beim Schützenfest auf. Ab 1974 und dann 23 Jahre lang kümmerten sich Ingrid und Otto Rehder um das leibliche Wohl der Vereinsmitglieder und ihrer Gäste. Auch sie waren eine Institution, die auf ihre Art die große Gemeinschaft prägte.

Um 1980 machten sich Vereinsmitglieder Gedanken, eine eigene Bogenschützen-Abteilung zu gründen. Hier gab es durchaus kontroverse Diskussionen, schließlich war es wieder Neues, Fremdes ... Doch die fortschrittlichen Kräfte setzten sich schließlich durch mit ihrer Ansicht, dass Neuerungen auch Chancen für die Zukunft bedeuten. So wurde die Bogenschützen-Abteilung 1981 gegründet. Heute sind die Männer und Frauen, die in ihrer weißen Kleidung einen attraktiven Kontrast zu den Trachten der übrigen Vereinsmitglieder bilden, gar nicht mehr wegzudenken. Vor allem auch die sportlichen Erfolge haben sehr zur positiven Image-Bildung des Vereins beigetragen. Stellvertretend für viele sei in diesem Zusammenhang Ilja Kastelani genannt, der etliche nationale und internationale Titel gewann und sogar Weltmeister wurde.

Baumaßnahmen, Erweiterungen, Verbesserungen der Schießsporteinrichtungen ziehen sich wie ein Roter Faden durch die Entwicklung des Vereins. Immer wieder taucht in Protokollen der Begriff "Eigenleistungen" auf. Es ist phänomenal, wie sich bis auf den heutigen Tag das persönliche Engagement vieler Mitglieder – Jung und Alt, Männer und Frauen – auf die Existenz und Entwicklung ausgewirkt hat. Das betrifft nicht nur die vielen Verantwortlichen im Vorstand, die aber natürlich in der Chronik an erster Stelle genannt werden müssen: Herbert Scheel folgte der unvergessene Heiner Gülde, dann Franz Tiedt II., der dem Verein in schwieriger Zeit sehr half, Georg Boitin und seit 1997 Rolf-Peter Fröhlich. Sie alle und viel mehr haben dazu beigetragen, dass der Schützenverein Bargteheide und Umgegend der größte im gesamten Kreis Stormarn ist und der drittgrößte im Norddeutschen Schützenbund.


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